Mein Opa

Abend für Abend weinte ich mich in den Schlaf, meine Mutter wurde unruhig und fand das einfach nur albern: „Dein Opa ist jetzt fast ein Jahr tot, hör doch mal auf zu weinen!“

Ich war elf, als mein anderer Opa bei uns anrief und sofort meine Mutter sprechen wollte. Ich fing gleich zu weinen an, ich wusste, da stimmte etwas nicht, ich wusste, mein Opa, aus dessen Wohnung der andere anrief, war nicht mehr. Mein Lieblings-Opa war tot, in der Nacht gestorben, am Morgen kitzelte ihn die Oma am Fuß, der wie immer frech aus der Bettdecke herausguckte. Sie kitzelte vergebens, der Opa lachte nicht mehr. Mit 69, wenige Wochen vor seinem 70., war er tot, gestorben. Herzinfarkt. Ich kam damit nicht klar. Ich wollte nicht zur Beerdigung, ich wollte es nicht wahrhaben. Ich weinte lieber. Ich war sauer, ich war verzweifelt. Ich träumte immer wieder, dass mein Opa klingelte und mit seinem schelmischen Grinsen vor der Tür stand. Alles nur ein Spaß! War es aber nicht. Ich habe lange gebraucht, es ihm zu verzeihen, dass er einfach so gestorben, aus meinem Leben getreten war. Ich habe ihn geliebt und es ihm nie sagen können. Es war das erste Mal, dass der Tod in mein Leben trat.

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